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Bella Italia …oder die Hundehölle

Auf Bitten zahlreicher italienischer Tierschützer habe ich mich zum Jahresende 2009 auf den Weg nach Italien gemacht, um die Situation in den Lagern persönlich in Augenschein zu nehmen. Ganze sieben dieser Canili konnte ich von innen besichtigen. Das, was ich dort zu sehen bekam, übertraf meine schlimmsten Befürchtungen.

Staatsgelder für die Hundehölle

Die Reise begann in der Toskana und führte mich über Rom bis nach Neapel. In der Toskana arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten unser Partner SOS Animali International* unter Leitung von Helga Selzle-Wallrath. Dank ihrer sehr guten Kontakte in Italien wurden mir Türen geöffnet, die sonst für die Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Türen, die direkt in die Hundehölle führen ...Wie kann man diese Zustände erklären, wo es doch in Italien seit 1991 ein ganz passables Tierschutzgesetz gibt, das u.a. die Tötung von Streunern untersagt? Ganz einfach: Da Gemeinden mit der Unterbringung der Hunde überfordert waren, wurden Privatfirmen mit dem Unterhalt der Auffanglager betraut. Zwischen 1,80 Euro und 7,- Euro erhält der Betreiber am Tag pro Tier. Das „Einlagern" von Hunden in Massenlagern ist damit in Italien zum lukrativen Geschäft geworden. Profitabel werden die Tierheime dadurch, dass die Tiere nur unzureichend gefüttert werden und keine medizinische Versorgung erhalten. Je mehr Tiere, desto besser - für den Betreiber! Kein Wunder also, dass es Lager gibt, in denen bis zu 2.000 Hunde sitzen.

Keine Spur von Hoffnung

An diesem trostlosen Ort gibt es keine Hoffnung. Ausgesprochen selten nur kehrt ein Hund wieder aus einer Canile zurück. 97 % der Hunde, die in ein italienisches Tierheim kommen, sterben dort. Gehen jämmerlich zugrunde an nicht behandelten Wunden und Krankheiten, verhungern oder verdursten. Denn gefüttert wird eben nur so viel, dass die Tiere gerade am Leben bleiben. Nur so funktioniert dieses bestialische Geschäft, bei dem jeder einzelne Hund Geld bringt, Tag für Tag. Um den Gewinn weiter zu steigern, überschreiten fast alle Betreiber die staatliche Begrenzung auf 200 Hunde pro Canile. In einigen Tierheimen sind weit über 1.000, in manchen bis zu 2.000 Hunde eingesperrt. Da keine Kontrolle stattfindet, bleiben häufig auch tote Tiere noch tage- und wochenlang in den Zwingern liegen, während weiter staatliche Gelder auf die Konten der Profiteure fließen. Sogar gezüchtet werden soll in den Canili, um den Profit auf Kosten der Tiere zu steigern. Schätzungen zufolge sind es mittlerweile rund 550.000 Hunde, die in den etwa 1.000 Hundelagern dahinvegetieren.

Hat die Mafia ihre Hände im Spiel?

In einem Lager in der Nähe von Rom konnte ich mich davon überzeugen, wie hoffnungslos unzureichend die Versorgung der Tiere ist: Rund 700 Hunde werden dort von zwei Halbtagskräften „betreut". Die Hunde leben auf engstem Raum in Gitterverschlägen. In jeder Box befinden sich bis zu zehn Hunde. Die Tiere können sich kaum bewegen, erhalten keine medizinische Versorgung, noch nicht mal ein Mittel gegen die lästigen Flöhe. Sie liegen auf dem nassen Betonboden. Holz-Paletten im Zwinger könnten dafür sorgen, dass die Tiere trocken liegen, doch das Wegräumen der Paletten würde beim Ausspritzen des Zwingers zu viel Arbeit verursachen. Das bisschen Futter, das die Tiere notdürftig am Leben erhält, wird mit einer Schippe durch die Gitterstäbe geworfen. Solche Lager befinden sich weit außerhalb der Ortschaften und Städte, und das ist nicht zufällig so. Was sich hinter den hohen Mauern abspielt, soll niemand sehen oder hören. Vermittlungen oder gar Adoptionen sind so gut wie ausgeschlossen, da die Betreiber der Canili sich mit allen Mitteln dagegen wehren, Besucher in die Anlage zu lassen. Auch mir wurden noch vor dem Betreten einer Canile in Neapel Konsequenzen angedroht, sollte ich es wagen zu fotografieren. Zudem musste ich vor dem Besuch meinen Personalausweis abgeben, so dass er registriert werden konnte. Einheimische Tierschützer behaupten, dass alle diese Lager fest in der Hand der Mafia sind.

Preisdumping verschlimmert die Situation

Doch es kommt noch schlimmer. Seit einiger Zeit wird Preisdumping betrieben. Das heißt: Ein Canilebetreiber unterbietet den anderen und übernimmt dessen Hunde. Bekam dieser bislang 3,50 Euro pro Tag, bietet der Konkurrent seine Leistungen für 1,80 Euro pro Hund und Tag an. Doch selbst bei dieser Summe scheint man noch genügend Profit zu machen, so dass sich das blutige Geschäft weiterhin lohnt. Was das für die Tiere bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen.

Ihr Wolfgang Stephanow