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Fohlen für die Wurst

Am späten Abend hörte ich sie, wie sie einer nach dem anderen, an meinem Fenster in einer kleinen Pension in Maishofen/Österreich, vorbeifuhren. Es waren die Schlachttransporter aus Italien. Sie waren gekommen um hier ihre „Ware“ abzuholen und damit den Tod zu bringen. Lebende junge Fohlen, die am nächsten Tag öffentlich, meistbietend versteigert werden sollten. Man hatte beschlossen, auf der jährlichen letzten Herbstauktion in Maishofen, Fohlen und Jährlinge aufzukaufen um diesen ihr bitteres Ende in einer Schlachtfabrik in Italien zu ersparen. Man hatte mich, Wolfgang Stephanow, gebeten diese Aktion zu leiten und durchzuführen. Und so stand ich nun an meinem beschlagenen Fenster und sah zu, wie ein LKW nach dem anderen lärmend durch die kleinen Straßen von Maishofen rollte mit dem Ziel des Auktionsgeländes.

750 km lagen vor uns. Es war eine beschwerlich Fahrt, mit 80 Stundenkilometer schlichen wir über die Autobahn nach Maishofen / Österreich.

Abends in Maishofen angekommen besichtigten wir zuerst das Auktionsgelände, welches nur wenige hundert Meter von unserer Pension entfernt lag. Lediglich ein italienischer Transporter stand dort und noch herrschte Ruhe auf dem großen Gelände. Unheimliche Ruhe. Natürlich hatte ich mich vorher informiert und ich sah schreckliche Bilder im Internet und den Medien. Bilder von Haflingerfohlen die schon auf dem Transportweg zur Versteigerung schwerste Verletzungen erlitten hatten. Gestürzte Tiere die von ihren Artgenossen niedergetrampelt wurden waren keine Seltenheit, denn es ist ja „nur“ Handelsware. Angekommen unter schrecklichen Schmerzen, herausgezerrt zu einer Waage (hier zählt nicht das Leben sondern nur die Kilos), angebunden an einer Eisenstange um danach von den Fleischbeschauern taxiert zu werden. ob das was sie sahen noch lukrativ ist. Ich sah Bilder wie diese halbtoten und vor Angst panischen Tiere nach 12, 16 oder mehr Stunden Fahrt nach Italien von Schlachthelfern mit Elektrostöcken von den LKW´s getrieben werden um so zu den „Menschen“ zu gelangen die in den Gängen der Schlachthäuser den Bolzenschussapparat ansetzen um dieses kurze Leben zu beende. Jede Minute ein totes Fohlen ist die Vorgabe denn das Geschäft muss rentabel bleiben. Bilder die sich an diesem Abend in meinen Gedanken wiederholten und in mir kommt Abscheu hoch. Abscheu vor den Menschen die diese jungen Fohlen den gewissenlosen Schlachtern ausliefern. Geboren als Fohlen, mit Zuschuss der Europäischen Gemeinschaft, welche die Haflingerzucht in gewissen Bereichen Österreichs subventioniert. Hier in Österreich gilt der Haflinger als eine vom Aussterben bedrohte Haustierrasse und deswegen wird gezüchtet auf Teufel komm raus. Ein Bauer/ Züchter erzählte mir, dass seine Stute jedes Jahr ein Fohlen bekommen muss, sonst sei es unrentabel. Die Fohlen dürfen einige schöne Monate auf der Weide mit ihren Artgenossen herumtollen und spielen. Eine Touristenattraktion die in vielen Werbeplakaten der Reisebüros vorgezeigt wird. Urlauber, Eltern mit ihren Kindern fotografieren dieses Schauspiel und freuen sich über den niedlichen Anblick. Doch diese Zeit ist im Herbst vorbei. Das junge süße Fohlen ist auf einmal nur noch Handelsware und nur noch die Kilos zählen. Ein sich jährlich wiederholendes Ritual.

Am Dienstag den 4.11.kurz nach 7 Uhr morgens in Maishofen / Österreich, stehen wir mit einem Kamerateam der ARD auf dem Auktionsgelände.Für viele Tiere wird der Tod kommen!

Man hatte uns bereits im Vorfeld gewarnt: Tierschützer sind hier nicht gern gesehen und in der Vergangenheit kam es mehrfach zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen Tierschützer. Man wollte hier unter seinesgleichen sein, denn hier geht es um Geld, um sehr viel Geld. Sei es die Subventionierung, oder aber auch die Tatsache das Fohlenfleisch Pferde fleisch momentan in Mode gekommen ist und immer wieder auf den Speisekarten renommierter Restaurants steht.

Sogar als Babynahrung eines bekannten Herstellers wird es angepriesen. Die Perversion kennt keine Grenzen – Babys essen Babys.

Immer mehr Tiere zusammengepfercht in Transporter rollen zum Auktionsgelände Maishofen. Nach und nach füllt sich der Platz mit Fohlen. Es sind Hunderte Fohlen, Jährlinge aber auch alte, erwachsene Pferde. Wir laufen durch die Gassen an denen die Pferde angebunden sind und versuchen wie Aufkäufer auszusehen um hier nicht aufzufallen. Hier und da ein Gespräch, dass immer mit dem selben Satz des Verkäufers beginnt: „Woas zoahlts denn?“ Das Geschäft in Maishofen hat begonnen, die Handelswaren( Pferde / Fohlen )stehen bereit. Stuten mit ihren Fohlen stehen stundenlang angebunden und warten darauf mit kritischen Blicken begutachtet zu werden um letztendlich einen neuen Besitzer zu finden. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten – Leben oder Tod. Doch meist gewinnt leider der Tod.

Heute stehen annähernd 300 Pferde und Fohlen zur Versteigerung. Also machen wir das wozu wir nach Maishofen gekommen sind. Wir begutachten die Pferde, handeln, feilschen und ersteigern. 3 Fohlen können wir schon vor der eigentlichen Auktion privat von Bauern / Züchtern abkaufen. 3 gerettetePferde - Seelen die nun nicht mehr zur Fleischbeschau vorgeführt werden.

Um 11.00 Uhr beginnt das eigentliche Ereignis. Ein Tier nach dem anderen wird in die Versteigerungshalle hineingeführt, und jeder der sich als potenzieller Käufer registriert ist kann mitbieten und über das Schicksal der Tiere mitentscheiden. Es wird nicht gefragt wer kauft, nur der Kauf an sich zählt.

Ich sah im Internet Anzeigen wo perverse Menschen gezielt Fohlen / Pferde zum Geschlechtsverkehr suchten, auch sie haben hier die Möglichkeit. 300 Euro, 400 Euro, das Bieten erfolgt hier in 20 Euro Schritten. Mir gegenüber sitzen die italienischen und österreichischen Schlachtaufkäufer für Fohlen oder Pferde. Ich gebe zu mir wird übel bei dem Anblick dieser fetten, gewinnorientierten Henkershelfer. Es sind Geschäftsleute, und selbst unsere Politiker scheuen es nicht mit diesen Herrschaften Geschäfte zu machen. 8 junge Fohlen können wir kaufen. Eine kleine sieben Monate alte Stute konnte ich im allerletzten Moment ersteigern obwohl der Schlachter ebenso auf das Fohlen geboten hat. Glücklicherweise hat der Auktionator das Gebot des Henkers nicht gesehen. Dieses Fohlen hat Glück und darf leben.

Es ist ein langer Tag, erst gegen 16.30 Uhr verladen wir sorgsam unsere acht geretteten Fohlen und begeben uns auf den Rückweg.

Das ARD Team, das uns den ganzen Tag begleitet hat, reist ebenfalls ab um sich am nächsten Tag gemeinsam wieder mit uns zu treffen und hier die Ankunft der Pferde zu filmen. Es ist ein langer Weg und ich fahre als hätte ich rohe Eier geladen, so dass meiner lebenden Fracht nichts passiert. Wir fahren die ganze Nacht. Morgens angekommen laden wir die Fohlen aus und versorgen sie. Es ist gut gegangen, kein Tier wurde verletzt. Ich bin todmüde aber glücklich als ich die acht Fohlen sehe die im Galopp über die Weiden von Hof Huppenhardt toben. Fröhliche Tierkinder die sich ihres Lebens freuen.

Die Verlierer des "bösen Spiels"

Traurig bin ich aber darüber, dass ich nur acht Leben retten konnte und so viele zurücklassen musste. Jetzt im nach hinein habe ich erfahren, dass von den über 300 Pferden nur rund 40 von Privatleuten oder Tierschutzorganisationen ersteigert wurden und über hundert Pferde heute nicht mehr leben. Die Schlächter haben ihr grausames Geschäft gemacht.
Gestern, als ich in Maishofen unsere Fohlen verladen hatte, ging ich schnell zu den Schlachttransportern um hier das Geschehen zu beobachten. Kleine und große Pferde die mich mit ihren großen braunen Augen anschauten warteten auf ihr bitteres Ende. Ich hatte das Gefühl die Pferde und Fohlen wussten was ihnen bevorsteht. Vor Angst schreiende Fohlen, erstmals von ihren Müttern getrennt, nun sich selbst überlassen, standen auf den Ladeflächen der TodesLKW´s. Gibt es noch etwas wie Ethik und Moral auf dieser Welt? Oder befinden wir uns in einem Stadium das nur noch das Geld zählt? Haben Sie schon einmal einem Pferd oder Fohlen in die Augen geschaut? Ich denke dann würde keiner mehr das momentan in Mode gekommene Pferde und Fohlen fleisch essen wollen. Obwohl mich der Anblick des unbeschreiblichen Elends der Haflinger- und Norikerfohlen sehr bedrückt, gibt es für mich ganz klar nur das eine Ziel: Nächstes Jahr bin ich wieder hier und ich werde ein paar arme Seelen herausholen.
Wir konnten nicht alle retten aber einigen werden wir dieses grausame Schicksal ersparen. Mein Dank gilt meinen beiden mich begleitenden Tierschutzfreunden Andreas Stellbrink und Manuel Naber, die die gesamte Aktion in ihrer Freizeit unentgeltlich begleiteten. Ebenso danke ich dem ARD Fernsehteam unter der Leitung von Frau Dr. Manuela Hrdlicka, die diese Zustände in einem Fernsehbeitrag veröffentlichen wird. Ich selber werde in wenigen Tagen wieder nach Ungarn reisen um dort Hunde aus Tötungsanlagen zu befreien. Tiere für die sich die Europäische Gemeinschaft allerdings nicht im geringsten interessiert. Doch meine Gedanken, da bin ich mir sicher, werden noch lange bei den Fohlen und Pferden aus Maishofen sein.

Wolfgang Stephanow

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