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Interview mit Bestsellerautorin Gaby Hauptmann

Wolfgang Stephanow im Gespräch mit Gaby Hauptmann

Wie sind Sie auf die Fohlenversteigerungen in Maishofen aufmerksam geworden?
Im Fernsehen habe ich einen Bericht über Maishofen gesehen, der mir den Magen umgedreht hat. Das war der Anstoß für meine eigenen Recherchen, und danach kam das Bedürfnis, dieses Thema einer nachwachsenden Pferdeliebhaber-Generation mittels meiner Kaya-Jugendreiterbücher nahe zu bringen.

Sie haben sich intensiv mit der Thematik beschäftigt. Was ist aus Ihrer Sicht das größte Problem?
Die bewusste Überzüchtung im Hinblick auf zweifachen Profit – durch die EU-Bezuschussung und dann noch durch den Verkauf der Fohlen, die dann auf ihrem letzten Weg nur noch nach Kilo eingestuft werden.  

Was empört Sie besonders an der Thematik?
Es ist die Doppelmoral, die so giftig im Raum steht. Hier das süße Tierbaby, dort der Kommerz. Sonntags in die Kirche gehen und am Dienstag die Fohlen auf die Schlachttransporte nach Italien schieben. Und da sind alle großen Züchter gefragt: Was passiert mit den Schockemöhle-Fohlen, die nicht für „gut“ befunden werden und dem Stempel „Schockemöhle“ nicht genügen? Zumal jetzt, wenn mit dem Millionenhengst Totilas auch noch die Ansprüche ins Uferlose geschraubt werden?



In dem neuesten Band Ihrer Kaya-Serie - „Kaya rettet Fohlen“ - greifen Sie das Thema auf. Was passiert in dem Band?
Kaya schreibt an der neuesten Ausgabe für ihre Reiterring-Freunde und bekommt eine Information über die Maishofen-Versteigerungen in die Finger, die sie gleich an alle weitergibt. Der Hintergrund dieser Versteigerungen empört ihre Freunde dermaßen, dass sie gemeinsam nach Maishofen fahren, um dort zu protestieren. In Maishofen müssen sie erkennen, dass selbst die Proteste erfahrener Tierschützer nichts nützen – das Geld regiert den Markt. Man kann die Fohlen nicht befreien – sondern höchstens freikaufen. Zurück bleibt der fade Geschmack, einige wenige gerettet zu haben, während die anderen über die sprichwörtliche Rampe gegangen sind.  

Sie haben das TPU beauftragt, in Ihrem Namen ein Fohlen zu retten, für das sie dann aufkommen möchten. Warum machen Sie das?
Es ist ein Leben, das ich retten kann. Nur eines. Wäre ich reich, würde ich da unten mal so richtig für Furore sorgen. Aber vergessen wir dabei nicht: Überall, wo Fohlen gezüchtet werden, sind die Händler nicht weit. In Maishofen ist es offensichtlich: Die Schlachttransporter aus Italien fahren unverdeckt vor. In Deutschland gibt es Transporter deutscher Viehhändler, die kommen in der Nacht – und fahren ebenfalls zu den italienischen Schlachtfabriken. Es gibt große Händlernamen in Niedersachsen oder Bayern, die kennt jeder Reiter und jeder weiß, was geschieht.



Was kann aus Ihrer Sicht jeder  Einzelne tun, um einen Beitrag gegen das Leiden der Fohlen zu leisten?
Die Bauern ächten, die ihre Tiere offensichtlich nur als Geldquelle, nicht aber als Lebewesen empfinden. Wer seinen Tieren gegenüber keine moralische Verantwortung spürt, sollte den Beruf wechseln. Als Tourist im österreichischen oder süddeutschen Dorf sollte man die Besitzer der ach-so-süßen Fohlen auf den Almen doch einfach mal fragen, ob man die herzige, kleine Lisl auch im nächsten Jahr noch sehen wird … und man sollte ruhig in jedem Ort dem Fremdenverkehrsverband mit Fragen zusetzen – und wenn das nicht reicht, dann auch den Pfarrer und den Bürgermeister. Je mehr gefragt wird, umso mehr fürchten die Gemeinden um ihren Ruf und ihre Fremdenpolitik – denn attraktiv wollen sie bleiben, das bringt Geld.

Sie haben selbst Pferde. Was wünschen Sie sich von den Züchtern in Bezug auf die beschriebene Problematik?
Dass sie gewählt züchten. Klar wird nicht jedes Fohlen ein Spitzenpferd, aber es gibt genug Freizeitreiter, die gerade diese Pferde lieben – und gar nicht auf Turniere wollen. Bloß, wenn hoffnungslos über den Bedarf hinausgezüchtet wird, dann ist klar, warum dies geschieht – Schlachtgeld ist eben das leichter verdiente Geld.