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Geboren, Geschunden, Gehofft, Gerettet, Geliebt

Viele Jahre hatte ich keinen Namen. Heute heiße ich Kessy, und möchte Ihnen meine Lebensgeschichte erzählen.
Bis vor einigen Monaten hatte ich das gleiche Schicksal wie viele andere Rassehündinnen zu tragen.

GEBOREN:

Geboren wurde ich irgendwo bei einem so genannten "Züchter" in Ungarn. Ich bin, wie man so sagt, "reinrassig". Nur das diese Reinrassigkeit in Ungarn oft ein furchtbarer Makel ist. Wir Rassehunde werden für die üblen Machenschaften der Hundevermehrer missbraucht. So auch ich.
Meine kurze Jugend verbrachte ich im Hinterhof eines "Züchters" in der Nähe des Plattensees. Ich bekam zu fressen, zu trinken. und hatte einen Bretterverschlag zum schlafen. Nicht die Tierliebe des Züchters bescherte mir den bescheidenen Luxus, sondern sein Streben das ich möglichst schnell gebärfähig werde.

Durch die Bretter meines Verschlages konnte ich die vielen gutgelaunten Touristen sehen, aber sie beachteten mich nicht. Im zarten Alter von nicht einmal einem Jahr begann mein grausames Schicksal. Ich wurde in einen kleinen, dunkelnen Stall eingesperrt und kam dort nicht mehr heraus. Kontakt mit meinen Artgenossen war völlig ausgeschlossen (außer 1 - 2 mal im Jahr zum Deckakt). Diese 2x2 Meter kleine Box wurde mein Lebensraum für 8 lange Jahre.8 Jahre mit nur einem Sinn -Welpen zu bekommen.

GESCHUNDEN:

Schon nach der ersten Hitze, ich war erst 9 Monate alt, wurde ich gedeckt und bekam die ersten Welpen. Der Vater meiner Babys war mir gut bekannt. Er war auch mein Vater. Später waren es meine Brüder und Söhne. Direkt neben mir lebte meine Schwester. Auch ihr erging es nicht anders. Wie gesagt, das waren die einzigen Kontakte zu anderen Hunden. Alle paar Monate wurde ein Rüde zu mir gebracht, deckte mich, und ich bekam die Welpen. Wie der Deckakt vollzogen wurde möchte ich hier nicht näher beschreiben, aber es war jedes Mal die Hölle und eigentlich eher eine Vergewaltigung. Der Rüde hatte daran nicht die Schuld, er wurde geprügelt wenn er seiner Pflicht nicht nachkam. Ich wurde für die Zeit der Trächtigkeit wieder in meine Box gesperrt. Nach der Geburt wurden mir die Babys so schnell wie möglich fortgenommen, denn jedes meiner Babys war bares Geld für meinen Peiniger. Nur ganz selten blieben die Babys länger als 6 oder 7 Wochen bei mir. Vielleicht war es für meine Babys so auch besser, denn die Zwerge die mir nicht genommen wurden, starben an Mißbildungen, Schwäche, schlimmen Durchfällen oder seltsamen Krampfanfällen. Manche meiner Kinder sahen kräftig aus, wurden nicht fortgebracht, sondern mussten genau wie ich dieses grausame Schicksal auf sich nehmen. Anfangs wollte ich heulen, später würde ich wütend und wollte das nicht hinnehmen. Ich wehrte mich, dafür bekam ich Schläge und wurde mit der Mistgabel in Schach gehalten. Mein Körper ist über und über mit Narben dieser Gabel übersät. Irgendwann begriff ich, dass es besser ist, den "Menschen" aus dem Weg zu gehen, nur so konnten ich und meine Babys überleben. Die Jahre vergingen und ich hatte mittlerweile unzählige Babys bekommen. Mein Körper schmerzte, meine Knochen waren spröde und taten weh. Mein Rücken sah aus wie eine "Hängebrücke" und meinen Bauch schliff ich beinahe über den Boden. Wie sollte das weitergehen? Ich war der Verzweifelung nah, zumal fast alle meiner zuletzt geborenen Welpen tot zur Welt kamen. Was sollte aus mir werden? Mein Gesäuge war voller Milch und kein Welpe der sie brauchte. Wenige Tage später glühte mein Bauch, Eiter kam aus meinen Zitzen, es schmerzte fürchterlich. Ich bekam Fieber und niemand half mir.
Es war ein sonniger Morgen im April 2006. In meinen Fieberträumen war ich auf einer schönen grünen Wiese. Dort spielten viele meiner Artgenossen und es gab kein Leid und kein Elend. Da plötzlich wurde ich jäh aus meinem Traum gerissen. Mein "Züchter" packte mich unsanft am Kragen und schleppte mich zu einem anderen Mann der mich auf seinen offenen Lastwagen warf. Das, so dachte ich, sollte wohl mein Ende sein. Ich hatte keine Angst, war es vielleicht doch besser so. Endlich keine Schmerzen mehr, endlich keine Babys mehr bekommen müssen, endlich Ruhe und Frieden finden.
Der Mann machte eine kurze Eisenkette an meinem Hals fest. Ich konnte mich keine 10 Zentimeter bewegen, allerdings konnte ich auch nicht von der offenen Ladefläche des LKW fallen. Die Fahrt ging los. In jeder Kurve würgte mich die Kette und ich bekam keine Luft, rutschte auf der glatten Fläche hin und her. Jetzt bekam ich doch Angst. Ich werde an der Kette ersticken. Immer wieder schwanden meine Sinne. Es ging in windeseile durch eine Stadt, über holperige Wege, in ein abgelegenes Gebiet und endete vor einem großen Eisentor. Der LKW stoppte. Ich hatte das Gefühl mir alle Knochen gebrochen zu haben. Was geschieht mit mir? Ich hatte Angst, nein, ich hatte Panik! Warum machte man das mit mir? Ich hatte doch jahrelang treu und brav meinem "Züchter" gedient. Er hatte doch viel Geld durch mich verdient. Ich hatte doch getan was man von mir verlangte. Ich ...
Brutal griff der Mann die Kette, riss mich von der Ladefläche, und ich knallte auf den staubigen Boden vor dem Tor. Ich hoffte, dass er mich jetzt endlich von meinem Leid erlöst. Mein Bauch, ich glaubte er platzt. Meine Sinne schwanden, und die schöne grüne Wiese aus meinem Traum war wieder da. Ich sah viele meiner Babys, viele meiner Leidensgefährten und sie spielten ausgelassen auf der schönen Wiese. Ich wurde ganz ruhig und war endlich ohne Schmerzen.
Plötzlich hörte ich wie durch einen Nebel Stimmen. Oh nein, auch hier gibt es Menschen? Das darf doch nicht war sein. Die schöne Wiese verschwand, so wie sie mir in meinem Traum erschien. Der Nebel vor meinen Augen lichtete sich. Vor mir stand ein Mann im weißen Kittel und 2 junge Frauen. Ich hörte wie sie sprachen. Eine der Frauen erzählte dem Mann im Kittel, dass der Hundefänger mich gebracht habe, und er habe keinen freien Platz in der Tötungsstation..

GEHOFFT

So nach und nach wurde mir klar was hier geschah. Der Mann im Kittel war ein Tierarzt, und die beiden Frauen waren Mitarbeiter des Tierheims Szekesfehervar. Ich war in der Tierklink des Tierheims. An meiner Pfote waren Schläuche angeschlossen durch die eine gelbe Flüssigkeit floss. Diese Flüssigkeit gab mir scheinbar Kraft. Der Arzt redete von Antibiotika, Stagloban, Flüssigkeitdefizit und und und ... Ich bekam unzählige Spritzen. Während ich da lag, streichelte eine der Frauen meinen Kopf. Sie sprach ganz lieb mit mir. Immer wieder sagte sie: Guter Hund, du brauchst keine Angst haben, alles wird gut.
War ich vielleicht doch im Paradies?
Nun ja, es stellte sich heraus, dass es nicht ganz das Paradies war, aber ich glaube, es kam der Sache schon sehr nahe. Fast 3 Wochen blieb ich in der Tierheimklinik. Alles war schön sauber und hell, alle waren lieb zu mir und es gab Futter vom Feinsten. Ich wurde Tag für Tag stärker und die Schmerzen verschwanden. Dann kam der Tag als der Tierarzt sagte ich sei gesund und könne zu den anderen Hunden.
Zu den anderen Hunden? Jetzt kam wieder Panik in mir auf. Andere Hunde kannte ich doch gar nicht. Aber es gab wohl kein Zurück. Ich wurde zu den großen Hundhäusern gebracht, und kam in ein Rudel mit etwa 20 Hunden. Die ersten Tage waren nicht so ganz einfach, aber nach ein paar Tagen fand ich es doch ganz gut zusammen mit den anderen Hunden zu leben. Jeder Hund hatte eine andere Geschichte, nur eins hatten wir alle gemeinsam. Wir waren alle im Tierheim gelandet.
Schnell hatte ich begriffen worum es im Rudel geht. Die Rankordnung war einzuhalten, das Futter gibt es regelmäßig, und ab und zu kommt auch mal ein Pfleger vorbei um mit uns zu schmusen oder ein paar nette Worte zu sprechen. Aber das WICHTIGSTE: Wenn fremde Menschen kamen, dann mußte jeder vorn an dem Tor stehen damit man gesehen wird und vielleicht mitgenommen wurde und ein neues Zuhause bekam. Ich weiss nicht wie oft ich den nächsten Monaten ans Tor gelaufen bin, aber mich wollte wohl keiner haben. Extrem WICHTIG war diese Regel, an den Tagen wenn die Deutschen kamen. Sie suchten immer viele von uns aus, und die hatten dann das ganz große Los gezogen. Eine Heimat in Deutschland. Wachsen da die Koteletts wirklich an den Bäumen?? Ich wollte es so gern glauben und erleben.
Die Monate vergingen. Immer wieder kamen Menschen und nahmen den ein oder anderen Hund mit. Nur mich wollte keiner haben. Ich hatte bemerkt, dass die Menschen immer auf meinen "ausgeleierten" Bauch schauten und dann den Kopf schüttelten.
Mittlerweile war es schon Hochsommer und fast alle meine Rudelmitglieder waren ausgetauscht worden. Ja, das war so, ein Hund ging und ein anderer kam. Nur ich wurde nie beachtet. In den vergangenen Monaten kam immer wieder regelmäßig ein Mitarbeiter vom Tierschutzprojekt Ungarn e.V. und machte viele Fotos. Auch von mir. Aber auch das hatte mir kein neues Zuhause gebracht. Es war zum verzweifeln. Mittlerweile fand ich es hier auch nicht mehr so toll. Ich wollte hier weg.
August 2006 - es herrscht große Aufregung im ganzen Tierheim. Die Mitarbeiter vom TSP sind hier und bauten ein neues Hundehaus speziell für die alten Hunde. Sie waren fast die ganze Woche hier im Tierheim. Auch der Mann, der damals Fotos von mir gemacht hatte, war dabei. Es war Andreas, und ich bemerke, dass er immer wieder an meinem Zwinger stand und mich lange anschaute. Er sprach mit der Tierheimleiterin und fragte sie über mich aus. Ob ich lieb bin - ja klar bin ich. Ob ich Menschen mag - ja klar auch das. Ob ich andere Tiere mag - logo, je mehr um so besser, wie ich Fremden begegne - Fremde werden Freunde ist doch logo, und und und..
Unsere Tierheimleiterein konnte Andreas bestätigen, dass ich nur gute Eigenschaften habe -oh Mann bin ich toll !!!
Das hat auch Andreas so gesehen, er kam jetzt jeden Tag zu mir, streichelte mich, spielte mit mir und erzählt mir in seiner, für mich fremden Sprache, was er mit mir vor habe. Ich glaubte, er meinte es ernst und wollte mich, ja mich !!! Hoffentlich hatte das lange warten sich gelohnt.
Um es vorweg zu nehmen, es hatet sich gelohnt. Als die Mitarbeiter des Tierschutzprojektes abfuhren, versprach Andreas mir bei der nächsten Fahrt nach Deutschland dabei zu sein. 5 Wochen sollte es noch dauern.
Was waren schon 5 Wochen im gegensatz zu fast 9 Jahren? Das würde ich auch noch schaffen.
Die Wochen vergingen und ich konnte es kaum noch abwarten. Jeden Tag hoffte ich auf das Tierschutzprojekt Ungarn. Dann endlich war es soweit. Die Tierschützer kamen. Sie brachten wie immer reichlich Futter und Decken mit. Für die kranken Hunde hatten sie wichtige Hilfsmittel dabei. Aber das Wichtigste - sie wollten mich mitnehmen!!!
Meine Tage in Ungarn waren gezählt.

GERETTET:

An einem Sonntagmorgen im August fuhr ich mit 17 anderen Hunden der Hoffnung auf ein neues Leben entgegen. Alle Hunde in dem Wagen hatten einen Platz in einem deutschen Tierheim gefunden, um von dort eine Familie zu bekommen, nur ich durfte direkt in eine Familie. Wolfgang, unser Fahrer, redete von Pflegefamilie, von Tierarzthelferin und einer gewissen Carmen ebenfalls Mitarbeiterin des TSP. Was soll ich zu der langen Fahrt erzählen. Es war furchtbar langweilig.
Nach vielen Stunden war es dann soweit. Ich war am Ziel. Carmen nahm mich in Empfang und begrüßte mich. Sie sprach nett mit mir und streichelte mich. Ich brauchte also keine Angst haben. In einem kleinen Auto fuhr ich mit zu Carmen. Sie hatte eine richtige Familie, so mit Mann und Kinder. Und sie hat ein Haus in das ich reingehen soll. Ich, in ein Haus? Das darf man doch nicht! Da gibt es Schläge!!! Nein das kann Carmen vergessen - ohne mich!
Aber irgendwie ließ sie nicht locker - sie wollte wirklich das ich mit in das Haus ging. Nun ja, ich hab es gewagt und was soll ich sagen, ich bekam keine Schläge. Ziemlich komisch die Deutschen! Ich durfte mir das ganze Haus ansehen, jedes Zimmer, jede Ecke. Ich konnte es kaum glauben. Das ist schon eine tolle Sache, so ein Haus. Vor allem ich sollte da drin bleiben. Echt, die meinten das wirklich so. Ich hab Carmen und der Familie den Gefallen getan, zumal ich doch sehr müde war. Ich bekam einen eigenen Schlafplatz, so richtig mit Trink und Futternapf und mit einer Decke. Genial - das glaubt mir wahrscheinlich keiner. Fehlt nur noch der große Garten mit dem Baum an dem die Koteletts wachsen. Mit dem Gedanken schlief ich erschöpft ein.
Was in den folgenden 4 Wochen passierte kann ich kurz schildern. Ich hatte nur eine Aufgabe: Lernen! Alles musste ich lernen, ich kannte doch nichts. Ich lernte nicht in die Wohnung zu pieseln -das macht man draußen! Ich lernte, dass mein Essen aus der Hand der Menschen kommt und nicht als Selbstbedienung aus der Mülltonne zu nehmen war. Ich lernte, dass man Menschen, auch Fremde, ignorieren kann und sollte. Ich lernte, dass man mit einem Seil um den Hals durch die Gegend geht, das nennt sich Spazieren gehen oder Gassi( ist etwas kürzer mit Pipi oder na sie wissen schon). Beides ist super. Ich lernte, lernte und lernte. Es war eine tolle Zeit. Alles was mir Carmen beibrachte, so stellte sich später heraus, konnte man in Deutschland wirklich gebrauchen. Und alle Menschen fanden das sogar gut. Ich war mir sicher, das war das Paradies.
Das es noch besser kommen konnte, wagte ich noch nicht einmal zu träumen, aber lesen sie selbst.

(Abschied von Carmen)

GELIEBT:

Es war an einem Montag im September. Irgendetwas stimmte nicht. Carmen war traurig und streichelte mich immer wieder. Hier und da sah ich eine Träne in ihren Augenwinkeln. Früh morgens, bevor sie zur Schule mussten, hatten sich auch die Kinder lange mit mir beschäftigt. Sie weinten und wünschten mir alles Gute. Was sollte das bedeuten? Angst stieg in mir hoch. Sollte mein Glück hier plötzlich enden? Musste ich wieder zurück zu meinen damaligen Peinigern? Nein, ich will nicht! Bitte Carmen lass das nicht zu! Ich wich Carmen nicht von der Seite und versuchte ihren Blick in meine fragenden Augen zu lenken. Carmen merkte das ich Angst hatte und erklärte mir, wenn auch mit Tränen in den Augen, dass nun der Tag gekommen sei, an dem mein wirkliches neues Leben beginne. In einigen Stunden würde ich Andreas vom Tierschutzprojekt wieder treffen und mit ihm in mein endgültiges Zuhause gehen. Puh, war ich erleichtert, nicht zurück nach Ungarn, das war die Hauptsache. Ich wollte aber nicht Carmen und ihre Familie verlassen, wirklich nicht. Aber Carmen sagte, dass es nicht anders gehe. Auch wenn ich nicht verstehen konnte, aber ich musste mich ihrer Entscheidung beugen. Erst jetzt wurde mir klar, dass eine Pflegestelle nicht ein Platz für immer ist. Carmens Erklärung, dass sie auch anderen Tieren helfen möchte um ihen die Chance für ein neues Leben zu geben, stimmte mich zwar nicht um, aber ich musste ihr recht geben, zumal auch ich von dieser Einstellung profitiert habe.
Andreas kam und freute sich das es mir so gut ging. Sicher, ich hatte noch ein wenig Gewicht zuzulegen, aber mit den deutschen Leckereien sollte das auch noch machbar sein. Carmen und Andreas sprachen einige Minuten miteinander und dann setzte sich Carmen zu mir auf den Boden. Wortlos kraule sie mich minutenlang. Sie streichelte meinen Kopf aber sprach kein Wort. Ich wusste, dies war der Abschied von Carmen und meinen ersten abenteuerlichen Wochen in Deutschland. Auf meine freundliche Art, nämlich leisem Quitschen und einem feuchten Hundkuss verabschiedete ich mich von Carmen und sagte ihr so „Danke für alles.
Mein nächstes Abenteuer wartete auf mich. Andreas tröstete mich und brachte mich in sein Auto. Er merkte, dass es mir nicht gut ging und redete beruhigend auf mich ein. Er erzählte von alten Menschen die auf mich warten, von Pflegern und Schwestern die alles für meine Ankunft vorbereitet hätten. Mann, was redete Andreas für seltsames Zeug? Ich war nicht krank und brauchte keine Pfleger, und was meint er mit alten Menschen?
Das alles sollte sich Minuten später rausstellen. Wir fuhren auf den Parkplatz eines Altenheims. Es war die Pflegeeinrichtung von Andreas. Aha, damit verdiente er also sein Geld. Wieder was gelernt. Aber, ich bin doch noch nicht so alt das ich hier gepflegt werden muss. Eigentlich hatte ich gedacht, dass Andreas ganz normal ist. Aber das hier ?
Also bewies ich ihm mit einem eleganten Sprung aus dem Auto und anschließender wilden Springerei das wir hier wohl völlig falsch sind. Andreas lachte, und als ob er mich verstanden hätte, sagte er: „Kessy, du sollst hier arbeiten!“ Häh? Arbeiten? Ich? Hier? Das war also der Harken an der Sache mit Deutschland! Wieder in eine Box, wieder Babys bekommen? Oh nein, bitte nicht! Ich kann nicht, ich will nicht, lieber möchte ich sterben!
Aber das „Arbeiten“ hier im Pflegeheim sollte ganz anders aussehen. Eigentlich kann man das gar nicht „Arbeit“ nennen. Ganz im Gegenteil. Aber der Reihe nach.
Ängstlich betrat ich das neue Zuhause. Alles war schön sauber, alle Räume waren weiß gestrichen und mit Möbeln eingerichtet. Keine Spur von einem Bretterverschlag. Es roch nach vielen Menschen, nicht nach Artgenossen. Sollte ich mich getäuscht haben? Ja, hatte ich. Schon im Flur des Hauses kamen freundliche Menschen auf mich zu. Sie begrüßten mich, einige setzten sich zu mir auf den Boden. Ups, das war so wie bei Carmen, nur das hier viel mehr Menschen waren. Andreas stellte mich vor, erzählte über mein bisheriges Leben und erwähnte das ich schon viel gelernt hatte. Ich war ganz schön Stolz und zeigte sofort die Sache mit dem Pfötchen geben. Das zog, alle freuten sich und sofort kamen die Leckerchen zu mir. Dachte ich es mir doch, das ist das beste was ich gelernt habe. Danke Carmen! Gleich noch mal, klappte wieder. Alle freuten sich, vor allem die Menschen in den Metallstühlen mit den Rädern. (Später stellte sich heraus, dass man da besonders gut Leckerchen bekommen kann). Nach dem fünften oder sechsten Mal „Pfötchen geben“ gebot Andreas der spendablen Runde Einhalt. Er hatte Angst das ich zu dick werde. Aus seinem Reden entnahm ich, das es klare Regeln für mich und die Menschen im Heim geben wird. OK, solange ich ab und zu was kriegen kann ist das zu verkraften. Schnell lernte ich die beiden „Spezies“ Mensch auseinander zu halten. Die einen waren die Pflege und Schwestern – sie waren für die normalen Dinge zuständig. Die andere Spezies Mensch waren die Bewohner, sie waren deutlich älter als die Pfleger. Die Bewohner waren für meine besonderen Annehmlichkeiten zuständig. Was ich damit meine? Ganz einfach, die steckten mir die Leckerchen zu! Einfach so, man brauchte nur hingehen und Pfötchen geben. Was bin ich froh, dass Carmen mir das mit dem Pfötchen gezeigt hat. Ich kann das gar nicht oft genug wiederholen.
Das ist also meine neue Arbeit. Ich gehe zu den Bewohnern und lass mich verwöhnen. Nun, diese Arbeit lass ich mir gern gefallen. Viele Bewohner sind ganz stolz wenn ich ihnen meine Pfote gebe, sie freuen sich riesig wenn sie mich streicheln können. Ich mach das gerne mit, gibt’s doch meist was leckeres dafür. Die Schwestern, Pfleger, der Hausmeister sind alle meine Freunde geworden. Mit ihnen gehe ich mehrmals am Tag spazieren. Sie geben mir mein Fresschen und verwöhnen mich mit kleinen aber feinen Leckereien. Eine der tollsten Nichtbewohner im Haus ist Resi aus der Küche. Ja, ihr lieben Leute da gibt’s leckere Sachen, einfach unglaublich. Zwar darf ich den Küchenbereich nicht betreten, aber es ist kein Geheimis wo die Resi hergeht. Ja und dann ….

Jetzt arbeite ich schon 6 Monate im Pflegeheim, habe so sagen die Schwestern, alle um den Finger gewickelt. Jeden Tag gibt’s was neues interessantes zu erleben, Langeweile kenn ich nicht. Manchmal, wenn das Wetter schön ist, nimmt mich eine liebe Pflegerin mit nach Hause. Wir machen dann lange Spaziergänge und treffen unterwegs auf einer großen grünen Wiese andere Hunde. Wir spielen und freuen uns über das schöne Leben. Abends, wenn ich dann wieder im Pflegeheim bin, müde von dem tollen Tag in meinem Körbchen einschlafe, dann sehe ich wieder die große Wiese auf der ich mit den anderen Hunden völlig sorglos spiele. Ganz so wie in meinen Träumen in Ungarn. Nur jetzt ist es kein Traum, für mich ist es Wirklichkeit geworden.

Kessy´s erster Arbeitstag

Gleich am ersten Tag lernte Kessy die Angehörigen der Pflegeheimbewohner kennen. Auch hier zeigte sie ihr souverenes Verhalten zu Menschen. So kehrt das Gefühl einer Familie ins Pflegeheim.

Kessy bei der Arbeit

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